Die Situation
Seit März 2025 befinde ich mich in der FISI-Umschulung am BFW Leipzig und nutze KI-Tools mittlerweile jeden Tag – nicht um zu schummeln, sondern als mächtiges Werkzeug für meinen Lernprozess.
Besonders relevant ist das Thema durch den seit Februar 2025 geltenden EU AI Act, der Unternehmen dazu verpflichtet, Mitarbeiter im Umgang mit KI zu schulen.
Für uns Umschüler bedeutet das konkret: Wer KI jetzt lernt und beherrscht, hat einen entscheidenden Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.
Warum KI für FISI-Umschüler unverzichtbar ist
In der Umschulung müssen wir in sehr kurzer Zeit extrem viel Theorie bewältigen. KI-Tools helfen dabei, diesen Berg an Informationen effizienter zu verarbeiten. Sie ermöglichen es, komplexe theoretische Konzepte schneller zu verstehen, da man sie sich einfach erklären lassen kann.
Auch beim Coden sparen sie Zeit, indem sie Boilerplate-Code automatisieren oder bei der Fehlersuche helfen. Ein weiterer großer Vorteil ist die Dokumentation: Projekte lassen sich sauberer und schneller dokumentieren, was mehr Zeit für die eigentliche Praxis lässt.
Wichtig ist dabei aber immer: KI ersetzt nicht das Lernen. Du musst weiterhin verstehen, was du tust, aber du kommst schneller ans Ziel.
Die Tools, die ich täglich nutze
1. ChatGPT (OpenAI) - Der Allrounder
ChatGPT ist mein täglicher Begleiter für fast alles. Ich nutze es, um mir komplexe Konzepte wie VLANs oder OSI-Schichten erklären zu lassen – oft mit der Bitte, es “für Anfänger” oder “mit einem Praxisbeispiel” zu tun.
Auch für das Generieren und Verstehen von Code-Snippets oder das Schreiben von Dokumentationen (wie README-Dateien) ist es unschlagbar.
Ein typischer Prompt:
“Erkläre mir OSI-Schicht 2 so, als wäre ich Anfänger und nutze ein Beispiel aus dem Alltag.”
Ich nutze ChatGPT Plus für 20€ im Monat, da der Zugriff auf GPT-4 deutlich bessere Ergebnisse liefert, aber auch die kostenlose Version ist für den Einstieg sehr gut geeignet.
2. GitHub Copilot - Der Code-Assistent
GitHub Copilot ist direkt in meine Entwicklungsumgebung integriert und schlägt mir während des Tippens Code vor. Das ist besonders hilfreich, um Standard-Funktionen oder Boilerplate-Code schnell zu generieren.
Beispiel:
Ich schreibe nur einen Kommentar wie # Funktion zum Überprüfen, ob eine IP-Adresse gültig ist, und Copilot schlägt mir sofort die passende Python-Funktion vor. Das spart Tipparbeit und reduziert Syntaxfehler.
Für Studenten ist GitHub Copilot im Rahmen des GitHub Student Packs kostenlos – ein Angebot, das jeder Umschüler unbedingt nutzen sollte.
3. Perplexity AI - Bessere Recherche
Wenn ich technische Dokumentationen suche oder aktuelle Technologietrends recherchieren muss, greife ich zu Perplexity AI. Im Gegensatz zu Google liefert es direkte Antworten mit Quellenangaben und filtert SEO-Spam-Seiten heraus.
Das ist besonders wertvoll, wenn man spezifische Fragen hat, wie z.B. “Wie konfiguriere ich SSH-Keys auf Ubuntu 24.04?”. Perplexity liefert oft eine Schritt-für-Schritt-Anleitung inklusive Links zur offiziellen Dokumentation.
4. Notion AI - Notizen & Dokumentation
Um meine Lernnotizen zu strukturieren, nutze ich Notion AI. Es hilft mir, Zusammenfassungen zu erstellen oder aus meinen Notizen direkt Lernkarten für die Prüfungsvorbereitung zu generieren.
So kann ich zum Beispiel meine Docker-Notizen in ein Frage-Antwort-Format umwandeln lassen, um mich abzufragen.
5. Microsoft Copilot - In Windows integriert
Für schnelle Fragen zwischendurch oder um mal eben einen PowerShell-Befehl zu generieren, ist der in Windows 11 integrierte Microsoft Copilot sehr praktisch. Er ist immer nur einen Tastendruck (Win + C) entfernt und in Microsoft 365 Umgebungen oft enthalten.
Wie ich KI im FISI-Alltag einsetze
Szenario 1: Neues Thema verstehen
Früher lief es oft so: Der Dozent erklärt ein Thema wie VLANs, ich verstehe nur die Hälfte und muss danach stundenlang Fachbücher wälzen.
Heute lasse ich mir das Konzept parallel oder im Nachgang von ChatGPT erklären: “Erkläre mir VLANs mit einem Beispiel aus dem Alltag”. Oft verstehe ich das Konzept so innerhalb von 10 Minuten und kann direkt tiefergehende Fragen stellen, etwa zur Konfiguration auf einem Cisco Switch.
Das spart mir locker 1,5 Stunden Lernzeit pro Thema.
Szenario 2: Projektdokumentation schreiben
Das Schreiben von Dokumentationen war früher ein Zeitfresser. Jetzt schreibe ich nach Abschluss eines Projekts kurz die wichtigsten Stichpunkte auf und lasse ChatGPT einen ersten Entwurf für die technische Dokumentation formulieren.
Diesen muss ich dann nur noch durchlesen, korrigieren und anpassen. Statt 3 Stunden brauche ich so oft nur noch eine Stunde für eine saubere Doku.
Szenario 3: Code debuggen
Fehlersuche kann frustrierend sein. Statt Fehlermeldungen blind zu googeln und mich durch StackOverflow zu wühlen, kopiere ich den fehlerhaften Code und die Meldung in ChatGPT: “Dieser Code gibt Fehler X. Was ist falsch?”.
Meistens bekomme ich sofort eine Erklärung und einen Lösungsvorschlag. Wichtig ist hierbei, die Erklärung auch zu lesen, um zu verstehen, warum es nicht funktioniert hat.
Was KI NICHT kann (und warum du trotzdem lernen musst)
Es gibt klare Grenzen. KI ersetzt kein Verständnis. Wenn du Code blind kopierst, ohne ihn zu verstehen, wirst du spätestens in der Prüfung oder bei komplexen Fehlern scheitern.
KI macht auch Fehler, nutzt veraltete Bibliotheken oder liefert unsicheren Code. Deshalb gilt immer: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deine Projekte musst du selbst machen – die KI ist nur der Assistent, nicht der Macher.
Mein Ansatz: Ich nutze KI, um mir Theorie erklären zu lassen und Code zu optimieren, aber ich schreibe den Kern-Code selbst und überprüfe jeden Vorschlag. Nur so sammle ich die nötige Praxiserfahrung.
Kostenlose Lern-Ressourcen für Umschüler
Es gibt tolle Ressourcen, um fit zu werden:
- Elements of AI (IHK): Ein kostenloser Online-Kurs (15-20h), der die Grundlagen und Ethik von KI vermittelt.
- GFN “Fit mit KI”: Ein spezielles Modul für GFN-Umschüler, das oft auch eine Copilot-Lizenz beinhaltet.
- YouTube: Es gibt unzählige gute Tutorials zu “Prompt Engineering”, die dir zeigen, wie du bessere Fragen an die KI stellst.
- Terminal Missionen: Mein kostenloses Tool, um Linux, Docker und Git direkt im Browser zu üben – ohne Risiko.
Mein KI-Setup (Stand November 2025)
| Tool | Zweck | Kosten/Monat | Lohnt sich? |
|---|---|---|---|
| ChatGPT Plus | Erklärungen, Code, Doku | 20€ | Ja |
| GitHub Copilot | Code-Completion | 0€ (Student) | Ja |
| Perplexity AI | Recherche | 0€ (Free) | Ja |
| Notion AI | Notizen | 10€ | Optional |
| MS Copilot | Quick-Help | 0€ (Free) | Ja |
Insgesamt liege ich bei ca. 20-30€ im Monat. Angesichts der Zeitersparnis von 3-5 Stunden pro Woche ist das für mich eine absolut lohnende Investition.
Rechtliches & Ethik
Oft werde ich gefragt: “Ist das nicht Schummeln?”
Nein. In der modernen IT ist KI ein Werkzeug wie Google oder ein Taschenrechner. Wichtig ist, wie man es nutzt. In unserer Umschulung ist es für Recherche und Verständnis ausdrücklich erlaubt, in Prüfungen natürlich nicht.
Da Unternehmen durch den EU AI Act verpflichtet sind, Mitarbeiter zu schulen, bereiten wir uns mit der Nutzung nur optimal auf den Arbeitsmarkt vor.
Fazit
KI-Tools sind für FISI-Umschüler kein Luxus mehr, sondern Standard. Sie sparen Zeit, helfen beim Verständnis komplexer Themen und verbessern die Code-Qualität.
Mein Tipp: Fang einfach an. Probiere ChatGPT in der kostenlosen Version eine Woche lang für deine täglichen Fragen aus. Wenn es dir hilft, lohnt sich vielleicht das Upgrade. Aber vergiss nie: Du bist der Pilot, die KI nur der Co-Pilot.
Bei Fragen schreib mir gerne: schneider@alexle135.de
Quellen:
- GFN IT-Umschulung mit KI
- IHK KI-Weiterbildung
- Eigene Erfahrung (8 Monate FISI-Umschulung BFW Leipzig)