Meine Ausgangslage
Seit Juni 2025 mache ich die FISI-Umschulung am BFW Leipzig. Davor: Null Linux-Erfahrung. Null Terminal. Null chmod 755.
Heute, 6 Monate später, administriere ich meinen eigenen Server, baue Docker-Container und hab sogar eine Linux-Lernplattform programmiert.
Was hat funktioniert? Diese 5 Strategien:
Strategie 1: Jeden Tag 15 Minuten Terminal
Nicht 3 Stunden am Wochenende. Jeden. Einzelnen. Tag. 15 Minuten.
Warum das funktioniert:
- Wissen festigt sich durch Wiederholung
- 15 Minuten sind nicht überwältigend
- Nach einer Woche hast du 1,75 Stunden geübt
- Nach einem Monat: 7+ Stunden
Was ich mache:
# Morgens vor der Berufsschule (5 Min)
ssh meinserver
sudo nala update
docker ps
exit
# Abends (10 Min)
# Eine Mission in Terminal Missionen
# Oder: Ein neues Tool ausprobieren
Tipp: Stell dir einen Timer. Wenn die 15 Minuten um sind, hörst du auf – auch wenn du gerade im Flow bist. Das macht es leichter, morgen wieder anzufangen.
Strategie 2: Learning by Breaking
Die beste Art, Linux zu lernen? Sachen kaputt machen.
Aber bitte nicht auf dem Produktions-Server. Sondern:
- In einer VM mit VirtualBox oder Proxmox
- In Docker-Containern
- In Terminal Missionen, einer Browser-Sandbox
Konkret:
# Was passiert wenn ich das mache?
rm -rf /tmp/* # Safe: /tmp ist temporär
chmod 000 wichtige_datei # Oops, kein Zugriff mehr
chmod 644 wichtige_datei # Aha, so geht's wieder
# In Docker kann ich alles zerstören:
docker run -it ubuntu bash
rm -rf / # Container ist danach kaputt
docker run -it ubuntu bash # Frischer Container, kein Problem
Das Mindset: Fehler sind kein Versagen, sondern Feedback. Je mehr ich kaputt mache, desto mehr lerne ich.
Strategie 3: Spickzettel statt Auswendiglernen
Niemand merkt sich alle Befehle. Nicht mal Sysadmins mit 20 Jahren Erfahrung.
Mein System:
- Notion-Datenbank mit meinen meistgenutzten Befehlen
- tldr statt man-Pages, also
tldr tarstattman tar - History nutzen:
Ctrl+Rund tippen
Mein Spickzettel-Template:
## Befehl: tar
### Was macht es?
Archive erstellen und entpacken
### Häufigste Verwendung:
# Erstellen
tar -czvf archiv.tar.gz ordner/
# Entpacken
tar -xzvf archiv.tar.gz
### Eselsbrücke:
c = create (erstellen)
x = extract (entpacken)
z = gzip (komprimieren)
v = verbose (Details anzeigen)
f = file (Dateiname folgt)
Tipp: Schreib den Spickzettel selbst. Das Aufschreiben hilft beim Merken.
Strategie 4: Ein Projekt haben
Theorie ohne Anwendung vergisst man sofort. Deshalb: Ein echtes Projekt.
Mein Projekt: alexle135.de
Was ich dabei gelernt habe:
- Server aufsetzen (Ubuntu, SSH, Firewall)
- Docker & Docker Compose
- Nginx als Reverse Proxy
- SSL-Zertifikate mit Certbot
- Git Workflows
- Automatisierung (GitHub Actions)
Projektideen für Anfänger:
- Homelab aufsetzen: Ein alter PC mit Proxmox
- Persönliche Website: HTML auf eigenem Server
- Pi-hole: Werbeblocker im Heimnetzwerk
- Minecraft-Server: Ein Klassiker, macht Spaß
- Nextcloud: Eigene Cloud statt Google Drive
Der Trick: Das Projekt muss dich interessieren. Wenn du Minecraft spielst, bau einen Minecraft-Server. Wenn du auf Privacy stehst, bau einen VPN. Lernen mit Motivation funktioniert besser als Lernen aus Pflicht.
Strategie 5: KI als Tutor nutzen
Ich sag’s direkt: Ohne ChatGPT und Claude wäre ich nicht so weit.
Wie ich KI nutze:
Erklärungen
“Erkläre mir chmod 755 so, als wäre ich Anfänger.”
Antwort: “chmod 755 setzt Berechtigungen: Der Besitzer (7) darf alles (lesen+schreiben+ausführen = 4+2+1). Gruppe (5) und Andere (5) dürfen lesen und ausführen (4+1). Typisch für Scripts, die jeder ausführen, aber nur du ändern sollst.”
Fehler debuggen
“Ich bekomme ‘Permission denied’ wenn ich
./script.shausführe. Was muss ich tun?”
Antwort: “Das Script hat keine Ausführrechte. Mach: chmod +x script.sh und dann nochmal ./script.sh.”
Code erklären
“Erkläre mir Zeile für Zeile was dieses Bash-Script macht: [Script einfügen]“
Lernpfad planen
“Ich bin FISI-Umschüler und will Linux-Admin werden. Was sollte ich in welcher Reihenfolge lernen?”
Wichtig: KI ersetzt nicht das Lernen. Du musst trotzdem selbst tippen, selbst Fehler machen, selbst verstehen. KI ist ein Turbo, kein Autopilot.
Mehr dazu: KI-Tools für FISI-Umschüler
Bonus: Meine tägliche Routine
06:30 - Aufstehen
07:00 - 15 Min Terminal (SSH auf Server, Docker checken)
07:30 - Zur Berufsschule
16:00 - Berufsschule Ende
17:00 - 1h Projekt-Arbeit (alexle135.de, Terminal Missionen)
18:00 - Abendessen
19:00 - Optional: Tieferes Lernen (Buch, Tutorial)
22:00 - Schlafen
Am Wochenende: Größere Projekt-Sessions (2-3 Stunden).
Der Schlüssel: Konsistenz. Lieber jeden Tag ein bisschen als einmal die Woche Marathon.
Fazit: Was wirklich funktioniert
| ❌ Funktioniert nicht | ✅ Funktioniert |
|---|---|
| Nur Bücher lesen | Selbst tippen |
| Alles auf einmal lernen | Jeden Tag 15 Min |
| Angst vor Fehlern | Sachen kaputt machen |
| Alles auswendig lernen | Spickzettel nutzen |
| Theorie ohne Praxis | Echtes Projekt |
| Alleine kämpfen | KI als Tutor |
Nächste Schritte
- Heute: Terminal Missionen starten, 5 Min Linux Grundlagen
- Diese Woche: Einen Befehl pro Tag in deinen Spickzettel aufnehmen
- Dieser Monat: Ein Mini-Projekt starten, zum Beispiel Docker auf dem Laptop installieren
Du schaffst das. Ich hab bei Null angefangen und bin nach 6 Monaten hier. Du kannst das auch.
Weiterführend: